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Rückblick

Das Seminar 2011 im Rückblick

Seit jeher sieht sich das Unternehmen HORSCH nicht nur als Maschinenlieferant, sondern als kompetenter Partner der Landwirte in allen Fragen des Ackerbaus.
Unter dem Motto „Schärfen Sie Ihren Blick“ fand daher das HORSCH Seminar 2011 statt. Wegen des großen Besucherandrangs – angemeldet waren über 500 Personen – jedoch nicht auf Gut Sitzenhof, dem Stammsitz von HORSCH Maschinen, sondern in der Festhalle Rieden /  Kreuth, nur wenige Kilometer von Schwandorf entfernt.

Folgende Fragestellungen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung:

- Agrarpolitik nach 2013
- Agrarrohstoffmärkte
- gezielt einkaufen
- gezielt einsetzen
- gezielt verkaufen

Nachdem sich alle Teilnehmer bei einer zünftigen Brotzeit gestärkt hatten, begann Michael Braun, verantwortlich für die Seminare bei HORSCH, mit der Einleitung zu dem umfangreichen Themengebiet. Als erster Redner nach der Begrüßung hielt HORSCH Geschäftsführer Michael Horsch das Einführungsreferat zum Thema „Welche Agrarentwicklungen beeinflussen uns künftig am stärksten?“. Zu dieser Fragestellung stand Michael Horsch zu einem ausführlichen  Interview zur Verfügung.

Dem folgte ein Vortrag von Hans-Michael Goldmann mit dem Titel „Agrarpolitik nach 2013 und politisches Geschehen am europäischen Agrarmarkt“. Goldmann ist Vorsitzender des Ausschusses Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Bundestag. Der FDP-Politiker stellte zunächst klar, dass sich dieser Ausschuss nicht mehr vorrangig mit Landwirtschaft, sondern in erster Linie mit Verbraucherschutz – und hier besonders mit Nahrung – beschäftige. Zweiter Schwerpunkt sei die ländliche Entwicklung. Der Politik im Allgemeinen müsse jedoch klargemacht werden, welche vor- und nachgelagerten Bereiche zur Landwirtschaft gehören. Als Beispiele führte er unter anderem die Landtechnik und die Lebensmittelproduktion an. „Wenn man dies alles zusammen nimmt“, so Goldmann „ist die Landwirtschaft der Sektor mit den zweitmeisten Arbeitsplätzen in Deutschland.“

Der Ausschuss-Vorsitzende bedauerte, dass in der Politik oft anstatt der Sache die Parteipolitik im Vordergrund stehe. Bei Skandalen fordere die Opposition generell den Rücktritt des zuständigen Ministers, selbst wenn dieser im Vorfeld schon dagegen gearbeitet habe.

Der Auffassung, dass die Bevölkerung die Landwirtschaft oft nur als reine Empfänger von Ausgleichszahlungen sehe, hielt Hans-Michael Goldmann entgegen: „67 Prozent des Agrarhaushaltes sind für die Agrarsicherung da.“ Außerdem seien in der EU die Mittel für den Straßenbau erheblich höher als für die Landwirtschaft. Seine Einschätzung zur allgemeinen Wahrnehmung: „Der eine oder andere träumt davon, dass Landwirtschaft noch so aussieht wie der Bauernhof, den er früher zu Weihnachten geschenkt bekam.“ Er warnte jedoch davor die Begriffe „Öko-Landbau“ und „Nachhaltigkeit“ gleichzusetzen. „Nachhaltigkeit bedeutet auch, Arbeitsplätze und Nahrung zu schaffen.“

Nach 2013 werden seiner Einschätzung nach die Landwirte Geld verlieren. Als Beispiel führte er vor allem die Milcherzeuger an. Zum Ausgleich forderte er einen vernünftigen Umgang mit der Gentechnik. Die EEG-Novellierung in 2011 sei notwendig. Auch wenn das Zwei-Säulen-Modell Bestand haben werde, ist seine Forderung, die Kopplung von GV und Fläche zu überdenken. Letztlich müsse aber die Prämie bei demjenigen ankommen, der die Flächen in guter fachlicher Praxis bewirtschafte. Außerdem sollten die Warenterminmärkte so gestaltet werden, dass sie für den Landwirt von Vorteil seien.

Als nächster Programmpunkt nach dem Mittagessen war Dr. Gudwin Rühlicke von der K+S Kali GmbH an der Reihe. Er referierte zum Thema „Düngerverfügbarkeit, Marktübersicht und Preisentwicklung“. Gleich am Anfang stellte er klar: „Die Produzenten können keine Preistreiber für Stickstoff sein.“ Dafür gebe es zu viele Anbieter. Deutschland sei mit einem Anteil von 1,6 Prozent am Weltmarkt nur von vergleichsweise geringer Bedeutung. Die Produktion erfolge kontinuierlich, die Preisbildung weltweit nach Angebot und Nachfrage sowie in US-Dollar. „Die Preise werden sehr stark von China und Indien beeinflusst“, sagte der Fachmann. „Hier erfolgt der Einkauf vom Staat, und Düngemittelimporte sind billiger als Nahrungsmittelimporte.“Weltweit betrage der N-Verbrauch etwa 100 Millionen Tonnen, am größten sei er in Asien.

Obwohl in Europa nicht so populär, sei Harnstoff die am einfachsten herzustellende Form von Stickstoffdünger. Als größten Exporteur von Harnstoff nannte Rühlicke China. Hier bestehe jedoch ein starker Einfluss des Staates durch Exportzölle, was die starken Preisschwankungen weltweit erkläre.

„Insgesamt laufen die Düngemittelpreise der Nachfrage hinterher“, sagt Dr. Gudwin Rühlicke. „Sie steigen mit den Rohstoff- und Erdölpreisen.“

Seiner Ansicht nach sind die Hauptfaktoren für die Kosten:

- die Versorgungslage
- die Energiepreise
- die Rohstoffkosten
- die Frachtkosten
- die Kosten für den Anlagenbau
- der Kurs des US-Dollars

Weltweit steige der Stickstoffverbrauch der Landwirtschaft um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr, in Form von Harnstoff lag das Wachstum der Gesamtproduktion über die letzten zehn Jahre um die 3,5 Prozent.

„Die Vorräte an Phosphat reichen statistisch noch 115 Jahre. Allerdings ohne Rückgewinnung“, meint Rühlicke. „Zudem ist es teilweise nur schwer abbaubar. Die größten Vorkommen sind in Marokko – allein hier wird fast die Hälfte des Welthandels abgebaut – und in China. In Europa gibt es keine Vorkommen. Da das Phosphat mit Schwefelsäure aufgeschlossen wird, hat derSchwefelpreis einen direkten Einfluss. Durch den Bau neuer Produktionskapazitäten von Phosphat erwarte ich aber mittelfristig keine Preiserhöhung.“

Dank ausreichender Reserven an Kali sieht Rühlicke beim Kali keine Rohstoffknappheit. Auch hier ist der höchste Verbrauch in Asien, die Preise werden dort gemacht. Trotz eines Weltmarktanteils von zehn Prozent sagt der Firmenvertreter: „Wir können den Preis nicht machen.“ Die Importmenge an Kali in die EU sei hoch, der Verbrauch betrage weltweit etwa 55 Millionen Tonnen im Jahr.

Seine allgemeine Markteinschätzung. „Die Nachfrage an Düngemitteln wird weltweit weiter zunehmen, die Preissteigerungen lassen sich aber nicht ewig fortsetzen. Die N-Düngung auf Ertrag und Qualität auszurichten, lohnt immer.“

Letzter Redner war Martin Schraa von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Sein Thema: „Neuerliche Entwicklung am Getreidemarkt, Einschätzungen der Lagerbestände und Auswirkungen von weltweiten Schwankungen der Erntemengen“.

Er beobachtet, dass die Weizenbestände um 13 bis 20 Millionen Tonnen geschrumpft sind. Es bestehe ein Qualitätsproblem. Die Warenströme hätten sich verändert, die Preise seien auf ein Rekordhoch gestiegen. Bei Weizen bestünden Vorräte für 98 Tage, bei Mais für 53 Tage!

„Die Terminmärkte entwickeln sich deutlich in Richtung Preissicherung, aber auch in Richtung Spekulationen“, meint Schraa. In Chicago werde die fünffache Welterzeugung gehandelt. „Dabei hat die Volatilität deutlich zugenommen – auch dies sei ein Indikator für Spekulationen. In Zukunft werde das sogar noch häufiger werden,“ so die Einschätzung des Marktbeobachters.

Schraa beziffert den gestiegenen Getreideverbrauch in den letzten 20 Jahren auf 30 Prozent, bei Soja sogar auf 145 Prozent. Die Importabhängigkeit habe zugenommen. Bei steigenden Preisen gehe die Nachfrage zurück – bei gesteigerter Produktion. Politische Entscheidungen, zum Beispiel die Förderung der Bioenergie, beeinflussen die Produktion. Daneben seien aber auch das Bevölkerungswachstum (seit 1980 um 56 Prozent) und die gestiegenen Einkommen der Menschen Gründe für den höheren Verbrauch.

Den deutschen Getreidemarkt beschrieb Schraa so:

- von März bis August bangen die Mühlen um Versorgung
- die Getreidevorräte sind deutlich unter Vorjahresniveau
- rascher Export, dadurch gesunkene Bestände
- die Preiskurve flacht ab
- die Bestände der Landwirte sind weitgehend vermarktet

Zum Thema Biogas ergänzte Martin Schraa: „ Im Jahr 2010 gab es noch 6.000 Anlagen, 2011 werden es schon 6.800 sein. Der Flächenbedarf ist dafür 650.000 Hektar, was zirka fünf Prozent der gesamten Ackerfläche entspricht. Dazu kommen rund 240.000 Hektar für Bioethanol, also noch einmal zwei Prozent.

Für 2011 sagt Schraa voraus, dass weltweit und in der EU der Anbau von Weizen und Mais steigen wird, bei gleichbleibender Produktion in Deutschland. Die Erntemenge werde, soweit man dies voraussagen kann, gegenüber 2010 um knapp 25 Prozent auf 672 Millionen Tonnen steigen. Da der weltweite Bedarf allein 670 Millionen Tonnen beträgt, werden wohl kaum Lagerbestände aufgebaut werden.

Anschließend bestand die Möglichkeit zur Diskussion mit den Referenten. Als Abschluss folgte eine Maschinenschau.

Die Kommentare der Besucher zum Seminar waren durchwegs positiv. „Aktuelle Themen, interessante Redner und durchaus kontroverse Diskussionen – das macht die HORSCH Seminare so einzigartig“, lobten die Besucher.

Fazit: Der Besuch eines HORSCH Seminar lohnt sich!